Wir stehen zum Haus des Wissens

Die Grünen im Rat sprechen sich weiter klar für das Haus des Wissens aus. Nach der aktuellen Kostenberechnung wird die Stadt für den Umbau des ehemaligen Telekomblocks rund 153 Mio. Euro investieren, damit dort Volkshochschule, Stadtbücherei und die von den Bürger*innen gewünschte Markthalle mit einem zukunftsorientierten Nutzungskonzept Platz finden.

Was sagen die Grünen zum aktuellen Planungsstand?

Barbara Jessel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, erklärt zur aktuellen Diskussion: „Ja, das Haus wird ein finanzieller und organisatorischer Kraftakt für die Stadt. Doch wir wollen das für die Bürgerinnen und Bürger und für die Zukunft dieser Stadt bauen. Es ist kein Prestigeprojekt für wenige, sondern ein Zentrum für Bildung, Begegnung und Teilhabe, das für alle offen sein wird. Das Haus des Wissens an dieser Stelle ist eine einzigartige Chance, die sich Bochum nicht entgehen lassen darf. Das Haus wird die Freude der Menschen an ihrer Stadt stärken.“

Ihr Co-Vorsitzender Sebastian Pewny ergänzt: „Das Haus des Wissens wird der zentrale Anziehungspunkt in der City. Es wird die Innenstadt weiter beleben – zusammen mit dem im Bau schon weit fortgeschrittenen Viktoria-Karree am neuzugestaltenden Husemannplatz. Und mit dem neuen Wohnquartier am Appolonia-Pfaus-Park, das dort entstehen wird, wo sich jetzt noch BVZ und Gesundheitsamt befinden. In einigen Jahren wird rund ums Rathaus das Leben richtig pulsieren. Das Haus des Wissens sendet, ähnlich wie das Musikforum und Mark 51°7, ein Signal: Bochum glaubt an sich und entwickelt sich mutig weiter. Dann werden wir oben auf der grünen Dachterrasse auf dem Haus des Wissens stehen und mit einem Fläschchen Fiege darauf anstoßen.“

Abbildung Dachterrasse: https://www.bochum.de/Haus-des-Wissens

Worum geht es beim Haus des Wissens? Wieso bauen wir das überhaupt? Was bringt das?

Mit der Ansiedlung von Volkshochschule, Stadtbücherei und einer Markthalle in einem „Haus des Wissens“ im ehemaligen Telekomblock am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Rathaus ergibt sich die einmalige Chance zwei bestehende städtische Bildungsinstitutionen zu integrieren und konzeptionell weiterzuentwickeln, um noch mehr Menschen als bisher anzusprechen. Am neuen Standort können beide von der Attraktivität einer Markthalle zusätzlich profitieren. Obendrein wird der Verbund Univercity die Bochumer Hochschulen repräsentieren.

Erfahrungen in Dänemark und den Niederlanden haben gezeigt, dass Bibliotheken und auch Volkshochschulen vor allem dann wieder mehr Zulauf bekommen, wenn sie sich als Treffpunkte gesellschaftlichen Lebens verstehen und ausrichten. Sie sind Orte des Lernens und der Bildung, Foren des gesellschaftlichen Austauschs und der Diskussion, und sie bieten gleichermaßen Raum für Kreativität wie für Ruhe. Durch diesen offenen Charakter gewinnen diese Häuser Attraktivität und Bekanntheit über das angestammte Publikum hinaus.

Moderne Konzeptionen von Bibliotheken und Volkshochschulen weisen einige gemeinsame Merkmale auf:

  • sie bieten eine einladende Atmosphäre, Platz zum Sitzen und gastronomische Angebote
  • Sie haben offene und flexibel nutzbare Räume und lange bzw. durchgängige Öffnungszeiten
  • es gibt Platz für Angebote und Veranstaltungen auch von Dritten
  • sie kooperieren intensiv mit anderen Institutionen der Stadtgesellschaft

Für die Bürger*innen bedeutet das Haus des Wissens zusätzlichen Nutzen:

  • Das HdW bietet frei zugängliche, kostenfreie öffentliche Aufenthalts- und Begegnungsmöglichkeiten für Innenstadtbesucher*innen. Man kann sich dort auch nur aufhalten, ohne sich verhalten zu müssen, ohne Konsum, ohne Ausleihwunsch, ohne Kurstermin, ohne Event-Anlass. Das Gebäude bietet Rückzugsgelegenheiten zum Chillen, Lesen, Konzentrieren usw.
  • Es ist ein öffentlicher Begegnungsraum für Zufallsbegegnungen und geplanten Austausch (real und digital) zum Beispiel für Elterntreffs, Sprachcafés, Messen, Events, Präsentationen usw.
  • Es gibt Offene Werkstätten, z.B. einen Experimentierraum mit High-Tech Werkzeugen (3D-Drucker, Lasercutter etc.), Schülerlabor, Repair Café usw.
  • Man findet Gaming-Angebote genau wie Spielmöglichkeiten für Familien.
  • Es ist ein informeller Lernort für Gruppen (Schüler*innen, Studierende, Kolleg*innen etc) und für die selbstorganisierte Wissensvermittlung von Bürger*innen für Bürger*innen
  • Die Markthalle bietet hochwertigen Lebensmittelhandel für bewusste Verbraucher*innen, d.h. frisch, saisonal, regional, auch bio, auch interkulturell.

Abbildung aus der Vorentwurfsplanung: Open Space

Das über 40 Jahre alte Bildungs- und Verwaltungszentrum (BVZ), in dem VHS und Stadtbücherei aktuell beheimatet sind, ist in sehr schlechtem baulichem Zustand. Der Rat hat auf Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsberechnung schon 2018 beschlossen, es nicht zu sanieren, sondern es abzureißen und an dieser Stelle Wohnungen zu bauen. Der Grund und Boden soll nach Erbbaurecht vergeben werden. Eine gute soziale Durchmischung wird auch hier angepeilt. Die angestrebte zukunftsweisende Konzeption von VHS und Stadtbücherei ließe sich im BVZ nicht umsetzen. Für beide Institutionen braucht es also ohnehin ein neues Zuhause, eine größere Investition ist in jedem Fall notwendig.

Die Markthalle war der eindeutige Wunsch der großen Bürgerkonferenz 2017 zur Frage: Wie soll Bochum 2030 aussehen? Die Bochumer Politik ist verpflichtet, diesen klaren Auftrag der Bürger*innen umzusetzen und eine Markthalle zu errichten. Die Überlegung, Markthalle sowie VHS und Bücherei an zentraler Stelle zu integrieren ergibt dabei viel Sinn.

Abbildung aus der Vorentwurfsplanung: Blick durch die Markthalle zum Open Space im Haus des Wissens

Wie kommt es zu der jetzigen Kostenentwicklung? Kann man da nicht sparen?

Der Sprung von anfangs 64 Mio € brutto auf heute 152,6 Mio € erscheint gewaltig. Jedoch: Die bisher zum Projekt genannten Zahlen (2019: 64 Mio brutto, 2021: 73 Mio € brutto) haben von vorneherein nicht alle Projektkosten abgebildet. Ein Teil dieser Kosten lässt sich bei einem Bau, für den es international kein Vorbild gibt, erst jetzt mit fortgeschrittener Planung seriös beziffern. Das wurde aber schon 2019, als der erste Beschluss getroffen wurde, so kommuniziert. (Für Expert*innen: Im Kostenrahmen für den Wettbewerb 2019 und in der Kostenschätzung 2021 waren die Kostengruppen 600 und 700 nach HOAI nicht berücksichtigt. Damit sind im Wesentlichen die Ausstattung und die Baunebenkosten wie z.B. Honorare gemeint. Erst in der jetzigen Kostenberechnung über 152,3 Mio € brutto sind diese Kosten von 49 Mio € brutto berücksichtigt.) Aber es sind zwischenzeitlich auch die Kosten für einige der bereits zu Beginn kalkulierten Positionen gestiegen:

  • Aus städtebaulichen und auch aus ökologischen Gründen soll möglichst viel von der bestehenden Bausubstanz des ehemaligen Telekomblocks erhalten bleiben. Das Nutzungskonzept wurde parallel zur Gebäudeplanung entwickelt. Es stellte sich erst jetzt heraus, dass die Decken nicht tragfähig für die geplanten Nutzungen sind. Deshalb wird nun im Wesentlichen die Außenhülle erhalten bleiben. Das ist technisch aufwendiger und teurer.
  • Der angestrebte Platinstandard beim nachhaltigen Bauen erfordert zu Beginn höhere Investitionen, wirkt sich aber beio den langfristigen Betriebskosten positiv aus. Hierzu zählen Maßnahmen wie: Einsatz nachhaltiger Materialien bei Raumoberflächen, die weniger oft erneuert werden müssen, Erweiterung der Beheizung durch energetisch zukunftssichere Geothermie oder ein intelligentes Wasserspeicher- und Beregnungssystem für die Dachterrasse,
  • Die Fahrradgarage für 300 Fahrräder im Keller – ein solches Bauwerk steht für die Verkehrswende in der Innenstadt ohnehin an
  • Die Kosten im Bausektor steigen seit Jahren massiv, da viele Investoren ihr Geld in „Betongold“ anlegen, nachdem es aufgrund der seit Jahren niedrigen Zinsen anderswo kaum Rendite abwirft. Die Kosten für Rohstoffe und Personal steigen in dieser Situation massiv. Zum Teil finden sich kaum Firmen, die noch Kapazitäten haben, um Bauaufträge auszuführen, was viele Projekte in die Länge zieht und ebenfalls verteuert. Es wäre deshalb auch unredlich zu versprechen, dass es bei der jetzt kalkulierten Summe von 153 Mio € bleibt. Zu viele volkswirtschaftliche Einflussfaktoren spielen hier eine Rolle. Zusätzliche Kostenrisiken sind Ausschreibung, Baukostencontrolling und die Schlussrechnung. Deshalb ist diesmal die Forderung eines Kostendeckels nicht zielführend.

Einsparungen an den aktuellen Plänen sind zwar im einstelligen Millionenbereich durchaus denkbar, würden aber mit großen Verlusten in die Nutzbarkeit einhergehen. Prägende Elemente wie die Dachterrasse, der Fahrradkeller oder die geothermische Beheizung machen für die Attraktivität und den ökologischen Nutzen des Gebäudes einen erheblichen Unterschied.

Die Belastung des laufenden Haushalts ergibt sich in erster Linie aus der jährlichen Abschreibung des Gebäudewerts und den Zinsen für die notwendige Kreditaufnahme. Denn die investiven Kosten des Hauses werden in der städtischen Bilanz als Vermögenswert abgebildet. Die Abschreibung des HdW läuft über 40 bis 50 Jahre.

Einige Zahlen zum Vergleich:

  • Bau des Musikforums heute: 72 Mio € (hochgerechnet auf Fertigstellung 2026) statt 39 Mio € 2016
  • Bau Neues Gymnasium heute: 70,1 Mio € (hochgerechnet auf Fertigstellung 2026) statt 33,1 Mio €
  • Schulzentrum Nord: ca. 110 Mio € (aktuelle Kostenrechnung)
  • Grundschule Feldsieper Str.: ca. 23 Mio (aktuelle Kostenrechnung)

Hier findet Ihr eine sehr detaillierte graphische Darstellung der Kostenentwicklung der einzelnen Kostengruppen.

Welche Alternativen wären denkbar?

Eine Sanierung des BVZ würde kostenmäßig vermutlich in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Dann hätte man allerdings nur einen renovierten 70er-Jahre Bau, der nicht zu dem Nutzungskonzept des HdW passt und energetisch nicht auf den neuesten Stand zu bringen ist. Während der mehrjährigen Sanierungszeit müssten VHS und Bücherei anderweitig untergebracht werden, was erhebliche (Miet-)Kosten verursachen würde. Eine Kostenschätzung hatte in 2012 Sanierungskosten von 68,6 Mio € ergeben. Hochgerechnet auf eine Fertigstellung 2026 wären das 131,9 Mio €.

Es drängen sich keine wirklichen Standort-Alternativen in der Innenstadt auf. Ob diese auch kostengünstiger wären, wäre auch sehr fraglich. Der Vertrag mit der Firma Baltz über den Erwerb des Telekomblocks hat den Umbau des Telekomblocks zum HdW zur Bedingung. Wenn das nicht begonnen wird, dann muss das Gebäude (zu wahrscheinlich schlechteren Bedingungen) an Baltz rückübertragen werden. Dann müsste ein freies Grundstück gesucht und neu geplant werden. Ob das preisgünstiger ist, muss stark bezweifelt werden.

Zur Variante Abriss Telekomblock und Neubau an gleicher Stelle: Ein Vergleich ist sehr schwierig. Der Bunker, die U-Bahn und die Telekomtechnik machen auch einen Neubau schwer kalkulierbar. Auch ein Abriss müsste geplant und dann ein neuer Wettbewerb durchgeführt werden. Dadurch verschiebt sich die Bauzeit um mindestens weitere 3 Jahre nach hinten, bei weiter steigenden Baukosten.

Für alle Alternativen gilt: 5 Mio € sind bereits für die bisherigen HdW-Planungen verausgabt worden und 13 Mio € sind bereits für ausgeschriebene Aufträge festgelegt. Bisherige Planungszeit: 3 Jahre. Dieses Geld wäre bei allen Alternativen verloren.

Weitere Infos:

FAQ der Verwaltung

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