
Nach einer langjährigen und kontroversen Debatte wurden gestern im Bochumer Rathaus die Weichen für den Umbau des August-Bebel-Platzes im Stadtteil Wattenscheid gestellt. Der Platz ist der zweitgrößte Knotenpunkt Bochums und hat daher Bedeutung weit über den Stadtteil hinaus.
Sebastian Pewny, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat und lange Zeit Anwohner des Platzes, erklärt dazu: „Wäre es beim Beschluss der BV geblieben, wären Fördermittel in Millionenhöhe verfallen und an dem Platz wäre in den nächsten 10 Jahren nichts mehr passiert. Der Status Quo auf dem lauten, zerteilten und heißen Platz, den niemand schön findet, wäre verschlimmbessert worden. Ein paar Bäume mehr hätten daran nichts geändert. Deshalb mussten wir Wattenscheid unter die Arme greifen und eine Neugestaltung auf den Weg bringen. Zum Kompromiss gehört, dass alle Seiten Zugeständnisse machen. Wir Grünen haben zur Kenntnis genommen, dass es keine Mehrheiten für einen wirklich autofreien Platz gibt. Die anderen haben erkannt, dass mehr Aufenthaltsqualität nur mit Verkehrsberuhigung zu haben ist. Das zeigt: die Politik ist in der Lage sich zu einigen und Probleme konstruktiv anzugehen. Ein striktes Beharren auf unserer Position hätte keinerlei Verbesserungen für Wattenscheid gebracht. Am Ende könnte am Bebel-Platz ein geteilter Verkehrsraum entstehen. Mal sehen, ob dann überhaupt noch jemand Autos dort haben will.“
Ein entsprechender Antrag von SPD, CDU, Grünen, Freien Bürgern, UWG und BSW wurde mit großer Mehrheit im Hauptausschuss am 11. Juni 2026 beschlossen. Dem liegt ein politischer Kompromiss zugrunde, für den sich die Grünen als Teil der Minderheitskoalition stark gemacht hatten. Zuvor hatte die Bezirksvertretung Wattenscheid die auch von den Grünen zunächst favorisierten Pläne zum autofreien Umbau des Platzes abgelehnt.
Bestandteile des Kompromisses sind:
- Umbau und Neugestaltung mit Priorität auf Aufenthaltsqualität und Fußverkehr
- Verkehrsberuhigung (Fahrzeuge bis 3,5t mit 10-20km/h)
- Neuordnung der Bus- und Straßenbahnspuren
- Aufwertung des Springbrunnens
- Ein neuer Trinkwasserbrunnen
- Öffentliche Toilette
- Parkplatz wird aufgewertet
- Kein Gebäude an der Nordkante
- Keine Pavillions mehr, Läden werden beim Umzug unterstützt
So geht es weiter:
- Die beschlossene Lösung muss nun auf Förderfähigkeit geprüft werden.
- Daraufhin wird die Planung konkretisiert.
- Vor dem Umbau wird die längst fällige Kanalisation erneuert.
- Schließlich wird der Platz neugestaltet.