11. Juli 2013

„Shortcut to Justice"

Vorführung im Grünen Büro

Die Landesarbeitsgemeinschaft Europa, Frieden und Internationales (EFI) in NRW und die Bochumer Arbeitsgemeinschaft Gender von Bündnis 90/Die Grünen haben den Film im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung in der Bochumer Geschäftsstelle der Grünen gezeigt. Auch die Filmemacherin Fezer war am 11. Juli zu Gast und hat im Anschluss mit den rund 30 interessierten Teilnehmern und Gästen über ihren Film und das zivilgesellschaftliche Engagement von Frauen in Indien gesprochen. „Indische Frauen sind die aktivsten der Welt“, hat Fezer während ihres Aufenthaltes erfahren. Besonders beeindruckt hat sie dabei, „dass die Frauen der Gerechtigkeit es geschafft haben eine Instanz zu gründen, die akzeptiert wird und sogar interreligiös und kastenübergreifend funktioniert.“

Gewalt ist für Frauen in Indien allgegenwärtig. „Schätzungen zufolge haben knapp 90 Prozent aller indischen Frauen bereits Gewalt erlebt“, weiß die Bochumer Filmemacherin Sybille Fezer. Geahndet werden diese Fälle indes kaum. Gerichte in Indien seien überfordert und wenn dann häufig nur nach Zahlung eines Schmiergeldes handlungsbereit. „Ein Richter ist im Schnitt für 100.000 Fälle zuständig“, erklärt Fezer.

Die Frauen aus Vadodara, einer Millionenstadt im Nordwesten Indiens nahe der pakistanischen Grenze, haben daher einen klügeren Weg gefunden, um Gerechtigkeit zu erlangen. Sybille Fezer und Daniel Burkholz haben die couragierten Frauen in Indien besucht und den Dokumentarfilm „Shortcut to Justice“ daraus gemacht.

Die sogenannten „Frauen für Gerechtigkeit“ wehren sich gegen Unrecht und Gewalt, unter denen viele Frauen in Indien leiden. Weil Polizei und Justiz oft untätig bleiben und kaum Schutz und Hilfe geben, haben sie selber ein Gericht gegründet. Mehrmals die Woche versammeln sie sich unter einem Baum und diskutieren öffentlich Fälle, bei denen Frauen Opfer von Gewalttaten waren. Das erstaunliche daran: Ihre Rechtsprechung verlangt nicht nach Rache, sondern löst Konflikte. Ihre Methoden sind ungewöhnlich, aber höchst effektiv. Und darüber hinaus dauert es nur etwa zwei bis drei Monate bis ein Fall gelöst ist.

Ob Gewalt gegen Frauen in Vadodara seitdem abgenommen hat, kann sie allerdings nicht mit Gewissheit beantworten: „Laut Berichten von Frauen aus dem Viertel ist die Gewalt zurückgegangen. Es gibt allerdings keine offiziellen Belege.“

Der Dokumentarfilm „Shortcut to Justice“ lief auf vielen internationalen Filmfestivals. Die Vereinten Nationen und medica mondiale (ausgezeichnet mit dem Alternativen Nobelpreis) setzen den Film für ihre Frauen- und  Menschenrechtsarbeit ein. In Deutschland wird Shortcut to Justice oft zum Beispiel im Kontext mit dem Internationalen Frauentag, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, oder auch der Interkulturellen Woche, vorgeführt.

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